Entwicklungstrends Leichtbau und Raumfahrt
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen für Trägerraketen alle Auslegungs- und Operationsaspekte perfekt optimiert sein. Eines dieser Aspekte ist der Leichtbau bei Raketenkomponenten. Daher werden zunehmend metallische Werkstoffe mit Faser-Kunststoff-Verbunden ersetzt. Dies geht allerdings mit einer erhöhten Schwingungsbelastung, insbesondere während der Startphase, einher, welche zu Schäden an Struktur und Nutzlast führen können.
Entwicklung von vibroakustischen Metamaterialien für Raumfahrtkomponenten
Im Projekt »Silent Running« (INNOspace Masters Challenge von DLR) wird am Fraunhofer LBF der Einsatz von vibroakustischen Metamaterialien zur Minderung der Strukturschwingungen an Trägerraketenkomponenten untersucht. Vibroakustische Metamaterialien sind spezifisch ausgelegte Strukturen bestehend aus einer Mehrzahl von periodischen mechanischen Resonatoren, die auf das Zielbauteil aufgebracht werden. Die Interaktion der lokalen Resonanzen mit der Grundstruktur bei Belastungen während des Raketenstarts ermöglicht eine effiziente Schwingungsminderung im definierten Frequenzbereich. Dieser Frequenzbereich wird als Stoppband bezeichnet und stellt den Hauptvorteil gegenüber konventionellen Schwingungsminderungsmaßnahmen wie z.B. Tilgern dar.
Der Einsatz vibroakustischer Metamaterialien wird im Projekt an einer zylindrischen Komponente, die z.B. eine Launcheroberstufe darstellt, demonstriert. Dafür wird als finaler Demonstrator eine skalierte zylindrische Struktur aus Faser-Kunststoff-Verbund mit vibroakustischen Metamaterialien in differenzieller Bauweise (d.h. Resonatoren werden zusätzlich auf die Zielstruktur aufgebracht) umgesetzt. Das Stoppband soll im Bereich um 100 Hz liegen. Eine breitbandigere Schwingungsminderung im Bereich bis 500 Hz ist jedoch aufgrund komplexer Anregungsprofile ebenso wünschenswert. Darüber hinaus darf die zusätzliche Masse durch die Schwingungsminderungsmaßnahme 18 % relativ zur Referenzstruktur nicht überschreiten.
Die Entwicklungsschritte umfassen den Konzeptentwurf einzelner Resonatoren, Validierung auf dem Resonator-Niveau, Umsetzung als Verbund sowie die Auswahl der besten Variante für den finalen Demonstrator.